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Führung ohne Bullshit Teil 2: Authentische Führung durch Haltung

1. Sept.
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Sept.

Anna Blaicher – Coaching für authentische Führung und Haltung in der Führung

Was ist eigentlich gute Führung?


Viele von uns kennen sie: schlechte Führung. Wenn ich mit Menschen über meinen Beruf spreche, erzählen Sie mir oft von diversen unguten Erlebnissen mit Führungskräften. Mangelnder Respekt vor Grenzen, Empathielosigkeit, endlose Extrameilen ohne Wertschätzung oder Vergütung, unkontrollierte emotionale Ausbrüche - die Liste ist lang.


Aber was ist eigentlich gute Führung? Die Antwort darauf ist eines der Geheimnisse von guter Führung: Für jeden ist sie etwas anderes.


Gute Führung erkennt, was das Gegenüber sich von Führung wünscht und braucht. Und sie kann den eigenen Führungsstil sowohl an verschiedene Situationen als auch an verschiedene Persönlichkeiten anpassen.

Und dennoch gibt es einige grundlegende Konstanten, die die Basis von guter Führung, von Führung ohne Bullshit, bilden. Eine davon ist Haltung.



Was bedeutet Haltung für authentische Führung?


Haltung ist diejenige Führungskonstante, die beschreibt, wie Führung verstanden und verkörpert wird. Sie zeigt sich darin, ob jemand die eigene Führungsverantwortung mit Kohärenz und Klarheit lebt oder eine Führungsmaske aufsetzt.


Bullshitbingo zum Thema Führung - Runde 2, here we go!



Führung als Rolle verstehen. Bullshit!


 

Manche Menschen behandeln Führung wie ein Kostüm. Morgens anziehen, abends ablegen, zwischendrin professionell wirken, in der Rolle bleiben. Maskenball im Businesslook.


Auch in Tim Burtons Verfilmung von Alice im Wunderland sieht man dieses Maskenspiel überall im Hofstaat der Roten Königin. Falsche Nasen, übergroße Ansteck-Ohren, angeschnallte Bäuche. Alle spielen mit. Und alle tun es der Führungskraft, der Roten Königin, nach. Sie selbst spielt die größte Rolle von allen.


Das Problem an dieser Masquerade: wer Führung nur als Rolle sieht, bleibt an der Oberfläche. Bei Methoden und Tools statt innerer Kompetenz. Beim Tun statt beim Sein.

Die wahren Schätze guter Führung wie Motivation, Leidenschaft, Leistungsbereitschaft und Teamgeist liegen jedoch unter der Oberfläche. Im Sein, weniger im Tun.



Führung erntet, was sie säht


Führung ist in erster Linie vorleben. Wenn die Führungskraft an der Oberfläche und beim Tun bleibt, folgt das Team diesem Beispiel. Das Ergebnis ist oft Abarbeiten oder Dienst nach Vorgabe statt intrinsischer Motivation – denn die kommt von innen, aus dem Sein. Wenn Führungsverhalten zwar situativ angepasst, aber nicht von einer innerlichen Authentizität und Überzeugung getragen wird, spüren Mitarbeitende das sofort. Und machen es genauso.


Es ist paradox, von Mitarbeitenden Leistungsbereitschaft – einen Faktor aus dem Sein – zu erwarten, während man selbst mit dem eigenen Führungsstil im Tun verharrt. Wer Mais säht sollte nicht erwarten Weizen zu ernten.

Führung als Theaterstück kostet Energie, erzeugt Distanz und führt dazu, dass wichtige Faktoren der Leistungsbereitschaft unzugänglich bleiben.


Gute Führung sollte kein Rollenspiel sein, sondern Teil des eigenen Selbstverständnisses.



Was haben Führung und Identität miteinander zu tun?


Ich BIN Führungskraft, nicht nur jemand, der gerade eine Führungsrolle spielt. Das heißt: ich führe. Menschen. Ich lebe vor, gehe voran, gebe Orientierung, nehme mit. Und das, ohne mich zu verbiegen.


Authentische Führung, als Teil der Identität verstanden, erzeugt inneren Einklang und Klarheit. So entsteht eine Haltung, von der andere sich inspirieren lassen.

Wer aus der eigenen Identität heraus führt kann ein paar entscheidende Dinge, die die Rote Königin nicht im Repertoire hat: Menschen für sich und die eigenen Ideen gewinnen, gelassen Fehler zugeben und daraus lernen, andere zum Wachsen anspornen, Hilfe in Anspruch nehmen, unfertige Ideen einbringen, sich ehrlich am Erfolg anderer mitfreuen, grandiose Teamergebnisse ermöglichen und so weiter.


Führung mit Haltung entfaltet Wirkung.



Gute Führung geht nur in Vollzeit. Bullshit!


Ein moderner Führungsmythos, der sich erstaunlich hartnäckig hält: Gute Führung geht nur in Vollzeit, oft gemeint als 60-Stunden-Woche plus ständige Verfügbarkeit.


Dahinter steckt häufig ein fragwürdiges Menschenbild: Mitarbeitende seien grundsätzlich eher faul oder opportunistisch und müssten deshalb möglichst eng kontrolliert werden, damit sie überhaupt annähernd das tun, wofür sie bezahlt werden. Wer so führt, erzeugt allerdings genau das Verhalten, das er befürchtet: Menschen, die sich auf das Nötigste beschränken und gerade so ihre vertraglichen Pflichten erfüllen. Die selbsterfüllende Prophezeiung lässt grüßen.


Kontrolle oder zu engmaschige Führung erzeugt vieles, aber wohl kaum Eigenständigkeit und Innovationskraft.



Wie Führung in Teilzeit Eigenständigkeit fördert


Ich würde sogar so weit gehen und sagen: Gute Führung in Teilzeit kann dieses Problem lösen. Sie spornt Teams oft dazu an, Probleme eigenständig anzugehen, Ressourcen zu erschließen, kollegiale Beratung zu nutzen, Konflikte selbst zu lösen und mehr Verantwortung zu übernehmen.

Die teilweise Abwesenheit der Führungskraft ist gut angeleitet kein Mangel, sondern ein Entwicklungsimpuls zur Eigenständigkeit.

Wofür brauche ich meine Führungskraft wirklich - und was kann ich auch selbst lösen?


Die Vorstellung, eine Führungskraft in Vollzeit sei jederzeit verfügbar, ist ohnehin eine Illusion. Auch Alice hat im Wunderland nicht zu jederzeit jemanden der ihr das Händchen hält. Manche der entscheidendsten Erfahrungen macht sie allein - und wächst daran über sich hinaus.


Eine gute Führungskraft ermächtigt Teams zur Eigenständigkeit, egal wie viele Stunden sie im Vertrag stehen hat. Zugespitzt: die beste Führungskraft macht sich selbst nicht unersetzlich, sondern weitgehend überflüssig. Sie sorgt dafür, dass das Team auch ohne Daueraufsicht kooperativ und handlungsfähig bleibt.


Wer es schafft, ein Team so eigenständig zu machen, dass man selbst nicht mehr dauernd gebraucht wird, macht sich nicht arbeitslos. Im Gegenteil. Hier werden Kapazitäten frei! So jemandem kann man gut und gerne ein zweites Team anvertrauen, und dann noch eins. Und dann vielleicht die ganze Abteilung. Und ja: auch bei Führung in Teilzeit.



Verfügbarkeit ist nicht gleich Führung


Führung mit Verfügbarkeit zu verwechseln kann tragische Folgen haben.


Ein Beispiel aus der Praxis: Bei der Auswahl geeigneter Kandidat*innen für ein Führungskräfteentwicklungsprogramm bekam ich einmal zu hören: „Ach die. Nein, die brauchen für das Programm nicht zu berücksichtigen.“ Ich schaute verwirrt. „Na, die hat sich erst letztens verlobt. Die heiratet jetzt sicher demnächst, wird dann schwanger und dann ist die erstmal 5 Jahre weg.“


Uff.


Mal abgesehen davon, dass diese Aussage sexistisch, rückständig, spekulativ und eine völlig unangebrachte Einmischung in das Privatleben der Person war, spielen wir das mal durch:


In Deutschland liegt die durchschnittliche Dauer zwischen Verlobung und Heirat bei 12 bis 18 Monaten. Bis zur Geburt des ersten Kindes vergehen im Schnitt 2,4 Jahre - Mutterschutz berücksichtigt 2 Jahre bis zur statistischen „Babypause“. Macht mindestens drei Jahre gute Führung, um die sich das Unternehmen mit dieser Haltung bringt. Falls die Frau tatsächlich heiratet. Und falls sie überhaupt Kinder will. Falls sie Kinder haben kann. Falls das dann noch zügig klappt. Und falls sie überhaupt in Elternzeit gehen möchte. Um nicht davon zu sprechen welchen Mehrwert sie für das Unternehmen nach der „Babypause“ noch haben könnte, falls diese überhaupt stattfindet.


Dieses reale Beispiel mag extrem wirken, aber es zeigt wie perfide und kurzsichtig der Gedanke „Verfügbarkeit = gute Führung“ sein kann.

Verfügbarkeit ist kein Qualitätskriterium für Führung.

Entwicklung, Befähigung und Wirkung sind es schon eher.



Haltung sticht Rolle


Das Interessanteste an Führung mit Haltung: Eine authentische Führungshaltung zeigt sich oft auch dann, wenn jemand aktuell gar keine Führungsrolle innehat.


Wenn es um High Potentials in Sachen Führung, geht stelle ich Unternehmen daher häufig die Frage: Wer befähigt andere zu Höchstleistung und macht sie dabei unabhängig von sich selbst? Egal, ob diese Person bereits eine Führungsposition innehat oder nicht.


Denn die Fähigkeit andere zu Befähigen belegt gute Führung, die für Unternehmen echten Mehrwert schafft, nicht (zeitliche) Verfügbarkeit.



Was heißt Führung ohne Bullshit für authentische Führung?


Führung ohne Bullshit meint in Bezug auf Haltung also folgendes:


  1. Gute Führung ist Teil des eigenen Selbstverständnisses, keine Rolle, die gespielt und dann wieder abgelegt wird. So setzt sie die wichtigsten Leistungsfaktoren bei Mitarbeitenden frei.


  2. Gute Führung zeigt sich in der Haltung zu und Befähigung von Teams. Nicht an Anwesenheit oder Verfügbarkeit.

 

Aber was genau sind denn nun Führung mit Haltung, authentische Führung? Gute Frage. Ein weiteres Geheimnis guter Führung? Auch hier lautet die Antwort: Für jeden etwas anderes. Lass uns rausfinden, was es für dich ist.


Wenn du daran interessiert bist Führung mit Haltung in deinem Unternehmen oder deiner eigenen Führung zu entwickeln, dann sollten wir uns kennenlernen. Buche dir gerne ein kostenloses Erstgespräch mit mir.

 


Key Takeaways

zum Thema authentische Führung mit Haltung


Was bedeutet Haltung in der Führung?

Haltung ist das Rückgrat guter Führung. Sie zeigt sich darin, dass jemand kein (Führungs-)Rolle spielt, sondern Führung Teil des eigenen Selbstverständnisses ist. Führung mit Haltung ist klar, authentisch und verantwortungsvoll.

 

Warum ist hohe Verfügbarkeit nicht automatisch gute Führung? 

Weil Präsenz allein noch keine Wirksamkeit erzeugt. Gute Führung befähigt Teams, eigenständig zu handeln, statt sie an dauernde Aufsicht zu gewöhnen.

 

Funktioniert Führung in Teilzeit?

Ja, sehr gut. Wenn sie gut gemacht ist, kann Teilzeitführung Eigenständigkeit, Verantwortungsübernahme und Problemlösung im Team sogar stärken.

 

Woran erkennt man Führung mit Haltung?

Daran, dass sie Menschen entwickelt, Orientierung gibt und nicht auf Kontrolle, Selbstdarstellung oder permanente Verfügbarkeit setzt.

 

Was bedeutet Führung ohne Bullshit in Bezug auf Haltung?

Authentische Führung beschreibt eine Form von Leadership, bei der innere Klarheit, Authentizität in der Führung und Verantwortungsübernahme wichtiger sind als bloße Rolle oder Dauerpräsenz. Gute Führung entsteht nicht durch Kontrolle oder ständige Verfügbarkeit, sondern durch Vorleben, Befähigung und Orientierung. Führungskräfte mit Haltung stärken Eigenständigkeit im Team, schaffen Vertrauen und fördern nachhaltige Leistungsbereitschaft. Teilzeitführung kann dabei sogar ein Entwicklungsimpuls sein, wenn sie Teams dazu anregt, Verantwortung zu übernehmen und Probleme selbst zu lösen. Führung ohne Bullshit bedeutet deshalb: weniger Tun, mehr Sein.

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