top of page

Jemand hat drei meiner Törtchen geklaut! – Führung mit Angst oder Kooperation?

Aktualisiert: 24. März


Eine Guillotine als Symbol für machtbasierte Führung durch Angst.

Warum es besser ist geliebt als gefürchtet zu werden


In Tim Burtons Film Alice im Wunderland hat die Rote Königin ein Faible dafür, aus einer Kleinigkeit ein Drama in Opernlänge zu machen. Ein paar Törtchen fehlen und plötzlich geht es um Leben und Tod. Die Szene ist grotesk, überzeichnet, fast witzig. Bis man merkt: So weit weg von unserer Realität ist das gar nicht.


Die Rote Königin: Führen mit Angst und Machtgefälle


„Jemand hat drei meiner Törtchen geklaut!“ schreit sie in einen Raum voller Fisch-Diener und Frosch-Lakaien. Es folgt ein Verhör. Am Ende steht fest: Der Schuldige und seine Familie hungern. Die Lösung der Königin? Ab mit dem Kopf! Seine Familie soll als Snack enden. „Ich liebe Kaulquappen auf Toast, fast so sehr wie Kaviar“, sagt sie zu einem Fisch (!).

Die Rote Königin ist ein Geschenk für alle, die über schlechte Führung sprechen wollen. Der Kopf zu groß, das Herz zu klein. Und vor allem leer. Sie sehnt sich danach von ihrem Volk akzeptiert und geliebt zu werden wie ihre Schwester, ist aber leider selbst gänzlich unfähig dazu. Und so beschwichtigt sie ihr einziger „Verbündeter“, der hinterlistige Herzbube Ilosovic Stayne der sie später bei der ersten Gelegenheit verraten wird: „Ist es nicht besser gefürchtet als geliebt zu werden?“. Sie ist umgeben von Speichelleckern, die alles tun, um in ihrer Gunst zu bleiben: sich verstellen, verkleiden, lügen, schweigen, wegschauen, schmeicheln. Anpassung statt Loyalität, Angst statt Respekt.

Eins muss man der Herzkönigin ja lassen: Erfindergeist hat sie. Ein Kerzenleuchter, der von Vögeln im Flug an der Decke gehalten wird. Stühle, die statt Beine zu haben von Äffchen getragen werden. Schweine als Fußwärmer. Golf mit Flamingos als Schlägern und Igeln als Bällen. Komfort auf Kosten ihrer Untertanen.

Und jetzt die unangenehme Frage: Solche Führungskräfte gibt es im echten Leben nicht - oder etwa doch?


Machtbasierte Führung: Was sie in Unternehmen anrichtet


Fear-based Leadership gibt es nicht nur im Märchen. Es ist ein reales Führungsprinzip, wenn man das so nennen will, das auch im Jahr 2026 noch erschreckend verbreitet ist.


Aber: Wer mit Angst führt, bekommt kurzfristig Gehorsam, zahlt aber langfristig einen hohen Preis. Angstbasierte Führung senkt Leistung und Moral, zerstört Vertrauen und macht Teams stumm. Menschen sprechen nicht mehr offen, sie verstecken Fehler, vermeiden Risiko und damit auch Innovation. In meinen Coachings mit Führungskräften sehe ich immer wieder, wie angstbasierte Führung kurzfristig wirkt – und langfristig alles zerstört, was ein leistungsfähiges Team ausmacht.


Ein paar echte Beispiele aus der Praxis machtbasierter Führung:

Management, das gezielt auf Drohkulissen setzt: „Wer die Ziele nicht erreicht, hat hier keinen Platz.“

Meetings, in denen niemand widerspricht und nach dem Termin alle in der Kaffeeküche erzählen, wie absurd die Entscheidung ist.

HR-Businesspartner, die unter Forderung von Diskretion eine Liste aller Angestellten vorgelegt bekommen: „Wer hierauf markiert ist verlässt das Unternehmen bis Ende des Jahres. Sorg dafür, dass es uns möglichst wenig kostet.“


Furcht ist ein starkes Instrument. Es bringt Menschen dazu, zu funktionieren. Aber es lähmt auch, verhindert, dass Menschen mitdenken. Und sorgt schon gar nicht dafür, dass sie mit dir an einem Strang ziehen, wenn es wirklich schwierig wird. Furcht erzeugt Dienst nach Vorschrift, nicht Leistung. Gehorsam statt Loyalität.


Was fear-based Leadership mit deinem Team macht.

Menschen, die aus Angst handeln, sind im Überlebensmodus. Sie versuchen, Fehler zu vermeiden, nicht aufzufallen, sich abzusichern. Das hat Folgen:


  • Vertrauen erodiert: Wenn Konsequenzen harsch und unberechenbar sind, vertraut niemand mehr auf Fairness. Alle wissen instinktiv: wenn mit Person X so umgegangen wird, kann das auch mich treffen. Loyalität zerfällt.

  • Zusammenarbeit bricht ein: Statt gemeinsam Lösungen zu suchen, sichern sich alle individuell ab. Wenn es jemanden treffen muss, dann zumindest nicht mich. Know -how wird zurückbehalten statt geteilt, Silos entstehen.

  • Kreativität stirbt: Wo Fehler bestraft werden, wird nichts Neues ausprobiert. Unternehmerisches Denken ist in einem solchen Klima unmöglich.

  • Kompetenz geht verloren: Gute Leute gehen. Denn die Besten können sich ihren Arbeitgeber aussuchen. Die, die bleiben, passen sich an und verstummen.


Kurz: Du bekommst vielleicht Ergebnisse, aber bestimmt nicht die Bestmöglichen. Und du bezahlst mit Kultur, Arbeitgebermarke, Unternehmenswachstum und Zukunftsfähigkeit. Oder in Wunderland-Sprache: alle kuschen, aber jeder hofft auf deinen Untergang. „Nie mit der MiBreiRü!“ wird der geheime Schlachtruf des Volkes: „Nieder mit der miesen Breitrübe!“ (gemeint ist die rote Königin).



Die Weiße Königin: Führen mit Freiheit und Verantwortung


Ganz anders ihre Schwester, die Weiße Königin. Exzentrisch, leicht verwirrend, mit einem Hang zu dramatischen Gesten – aber liebevoll, fürsorglich, ermutigend. Sie braucht Alice, dringend. Sie weiß, dass nur Alice den Jabberwocky, den Endgegner oder die dunkle Seite, besiegen kann. Und trotzdem übt sie keinen Druck aus.

„Man darf sein Leben nicht nur nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen. Denn ziehst du ins Feld, um der Kreatur gegenüberzutreten, ziehst du ins Feld allein.“

So ihr aufrichtiger Rat an Alice. Das ist Führung auf einem ganz anderen Level:

Sie macht klar, worum es geht. Sie verschweigt die Verantwortung nicht. Aber sie respektiert Alices Autonomie. Sie erpresst nicht. Sie lädt ein. Und vor allem: sie unterstützt, indem sie den Rahmen aufbringt den Alice braucht, um ihre Rolle einzunehmen: die Rüstung, das Schwert, die Gefährten.

Menschen folgen Persönlichkeiten, nicht Programmen.

Sie folgen denen, die es authentisch ernst mit ihnen meinen. Die sagen: „Ich sehe, was in dir steckt. Ich sage dir die Wahrheit. Und ich lasse dir die Wahl.“ Solchen Persönlichkeiten vergibt man dann auch den einen oder anderen exzentrischen Spleen.



Psychologische Sicherheit: Die unsichtbare Zutat guter Führung


Wenn du offene Konversation, echte Loyalität und Innovationskraft willst, brauchst du einen Raum, in dem Menschen sich sicher fühlen. Psychologische Sicherheit heißt: Ich kann sagen, was ich denke, Fehler zugeben, Fragen stellen, ohne Angst vor Demütigung, Strafe oder Ausschluss.


Teams mit psychologischer Sicherheit sind leistungsfähiger, kreativer und lernen schneller. Sie:


  • sprechen Probleme an, bevor sie eskalieren. Weniger Drama!

  • bringen Ideen ein, die noch nicht „fertig“ sind. Mehr Innovationskraft!

  • übernehmen Verantwortung, statt Schuld zu verschieben

  • bleiben dem Unternehmen länger treu, weil sie sich gesehen fühlen

  • sind messbar produktiver

  • treffen bessere Entscheidungen (Mehr Perspektiven + mehr Widerspruch = weniger blinde Flecken)

 

Das ist der Unterschied zwischen Gefolgschaft aus Angst und echter Kooperation, ja Loyalität. Zwischen „Ich mache, was ich muss“ und „Ich bringe, was ich kann“.


Furcht vs. Commitment – was du als Führungskraft wirklich willst


Ich höre von Führungskräften und Management immer wieder denselben Wunsch: die Loyalität ihrer Mitarbeitenden. Schön und gut!

Hand aufs Herz: was tust du, um dir diese Loyalität zu verdienen? Achtung Spoiler: deine vertraglichen Pflichten zu erfüllen reicht nicht aus! Du willst, dass deine Leute mehr geben als das, was sie vertraglich müssen? Okay, geh voran.

Die Rote Königin setzt auf Furcht. Sie glaubt, Kontrolle sei ein Zeichen von Stärke. In Wirklichkeit ist es ein Ausdruck von Unsicherheit. Wer andere klein halten muss, traut der eigenen Wirksamkeit nicht.


Auf Commitment zu setzen dagegen braucht Mut. Es bedeutet:


  • du kontrollierst weniger, und ermöglichst so mehr Verantwortungsübernahme

  • du schaffst Rahmenbedingungen, statt Leistungsdruck zu erzeugen

  • du hörst zu, auch wenn es unbequem wird

  • du bist bereit, selbst Fehler einzugestehen

  • Du gehst voran: dein Commitment zu deinen Leuten steht zuerst


Diese Art der Führung ist anspruchsvoll. Aber absolut lohnend. Wer Commitment säht, der erntet höhere Performance, mehr Innovation, bessere Entscheidungen, weniger Fluktuation.  Führung mit Angst oder Kooperation ist eine bewusste Wahl: du entscheidest was du ausbringst, und damit auch was du erntest. Anders ausgedrückt: Wer Mais säht sollte nicht erwarten, Weizen zu ernten.

Furcht bringt dir Compliance. Commitment bringt dir Loyalität.


Führung ohne Bullshit: Wie ich mit Führungskräften arbeite


Ich trainiere Führungskräfte, die genau das verstanden haben – oder zumindest ahnen, dass „ein bisschen Rote Königin“ ihnen langfristig das Genick brechen wird. Führung, die wirklich wirkt, ist nicht weichgespült. Sie ist klar und zugleich von charakterlicher Größe geprägt.


Wenn du deine Führung auf das nächste Level bringen willst, nutzt dir die nächste Leadership-Buzzword-Welle herzlich wenig. Menschen folgen Persönlichkeiten, nicht Programmen.


Stell dir stattdessen drei zentrale Fragen:

  • Wo bedienst du unbewusst noch Muster der Roten Königin – Strafe, Drohung, Schweigen, Unnahbarkeit – und wie kommst du da raus?

  • Wie führst du stattdessen mit Persönlichkeit? So, dass Menschen dir freiwillig folgen, auch dann, wenn es unbequem wird?

  • Wie baust du psychologische Sicherheit auf, ohne deine Rolle als Führungskraft zu relativieren?


Rote oder weiße Krone?

Führung mit Angst oder Kooperation.


Wenn du merkst, dass diese Fragen bei dir andocken: Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Wenn du eine Partnerschaft in der Führungskräfteentwicklung suchst, bei der es nicht um „wir müssten mal wieder was für unsere Führungskräfte anbieten“, sondern um Wirkung geht, melde dich. Gemeinsam entwickeln wir Führung, die deine Leute nicht klein macht, sondern groß.


Führungskräfte-Entwicklung ohne Bullshit heißt für mich Wichtiges nicht zurückzuhalten, aus Angst anzuecken: Ich benenne eure blinden Flecken schnell und präzise. Ich sage dir, wo deine Führungs-Hebel liegen: im System, in deiner Haltung, in deinem Verhalten. Und ich bleibe so lange dran, bis aus Lernbereitschaft tatsächliche Veränderung wird.


Ich biete dir ein kostenloses Erstgespräch an, in dem wir uns genau das anschauen:

Wo steht deine Organisation heute? Eher auf Seiten der Roten oder der Weißen Königin? Und was braucht es konkret, damit deine Führungskräfte nicht mit Angst regieren, sondern mit Haltung führen?


Kennst du auch jemanden, der unter einer "Roten Königin" leidet? Dann teile diesen Beitrag doch mit ihm.

Kommentare


Newsletter anmeldung

Vielen Dank für deine Anmeldung!

bottom of page