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Im Bett mit einem Monster – wie du schmerzhafte Erlebnisse verarbeiten und daraus neue Stärke entwickeln kannst

Alice im Wunderland Symbolbild zum Verarbeiten schmerzhafter Erlebnisse und zum Heilen emotionaler Wunden


Zu Beginn von Tim Burtons filmischer Adaption von Alice im Wunderland wird Alice vom Bandersnatch gejagt und verletzt. Ein bär-schneeleopard-artiges Wesen in den Diensten der Roten Königin. Ein brutales Monster. Und zugleich der Wächter des Mutall-Schwerts, das ursprünglich der Weißen Königin gehörte und die einzige wirksame Waffe gegen den Jabberwocky, Alices Endgegner, ist.


Die Wunde, die Alice davonträgt, sieht harmlos aus. Ein Kratzer. Mehr nicht. Doch von der Grinsekatze wird sie gewarnt: Mit Bandersnatch-Wunden ist nicht zu spaßen. Alice winkt ab. Nimmt es nicht ernst, will angebotene Hilfe nicht annehmen. Und hier beginnt die Tragödie.


Im Laufe der folgenden Ereignisse entzündet sich die Wunde. Sie schwillt an, eitert, schmerzt. Und plötzlich ist aus einem kleinen Kratzer ein lebensbedrohliches Problem geworden.



Wenn Schmerz nicht ernst genommen wird, wird er größer


Diese Szene ist mehr als nur ein cineastisches Detail. Sie ist eine starke Metapher dafür, wie wir allzu oft mit schmerzhaften Erlebnissen umgehen.


Denn auch im echten Leben gilt: Verletzungen passieren. Zurückweisung, Verlust, Enttäuschung, Überforderung, Beschämung, Grenzüberschreitung. Manchmal sind die Verletzungen offensichtlich. Manchmal sehen sie harmlos aus. Ein Satz, der trifft. Ein Blick, der abwertet. Ein Ereignis, dass sich tief einbrennt. Ein Moment, den wir später kleinreden.


Doch seelische Wunden funktionieren ähnlich wie körperliche: Wenn wir sie nur dilettantisch abdecken, statt sie fachgerecht zu versorgen, gären sie unter der Oberfläche weiter.


So entsteht keine Heilung, sondern Entzündung. Nicht Entlastung, sondern Dauerstress für das ganze System. Keine Klarheit, sondern ein stilles, inneres Vergiften, das sich den Weg in Richtung Herz sucht.

Wenn du schmerzhafte Erlebnisse verarbeiten willst, musst du aufhören, sie als Nebensache zu behandeln. Denn das Nervensystem unterscheidet nicht zwischen „damals“ und „heute“, wenn etwas innerlich noch nicht verarbeitet ist. Es bleibt in Alarmbereitschaft, als müsste es die alte Gefahr immer noch abwehren.



„Die Zeit heilt alle Wunden“ - Bullshit!


Zeit allein heilt einen Scheiß. (Excuse my language. Bei „Ratschlägen“ die Menschen ins Unglück führen kann ich sehr leidenschaftlich werden...) Setze eine körperliche Wunde allein der Zeit aus – ohne funktionierendes Immunsystem – was ist die Folge? Verwesung, nicht Heilung!


So wie die Wundheilung im Körper ein komplexes Zusammenspiel vieler Teile unseres Immunsystems ist, gehört zu seelischer Heilung auch wesentlich mehr als nur Zeit.

Unverarbeiteter Schmerz verschwindet nicht einfach. Er wird gespeichert und arbeitet weiter in uns. Emotionale Verwesung zeigt sich in Stimmung, Verhalten, Beziehungsmustern und schließlich im Körper. Manchmal in Form von Rückzug. Manchmal in Überanpassung. Manchmal als Misstrauen, Kontrollzwang, plötzlicher Überreaktion, Schlafprobleme und innere Unruhe.


Viele Schutzstrategien wirken nach außen vernünftig, sind aber oft hinderliche Überlebensmuster: kontrollieren, um Sicherheit zu spüren; sich zurückziehen, um nicht erneut verletzt zu werden; funktionieren, um keine Schwäche zeigen zu müssen. Das ist kein Zeichen von persönlicher Schwäche. Es ist ein Zeichen dafür, dass etwas in uns unbeachtet geblieben ist, noch keinen guten Platz gefunden hat.


Und genau deshalb reicht es nicht, eine Krise „hinter sich zu lassen“. Wirkliche Heilung bedeutet nicht Verdrängung. Heilung bedeutet Integration, aktives auseinandersetzen mit der Verletzung. So wie unser Immunsystem das auch tut und dabei lernt. Auf diese Weise werden wir z.B. gegen bestimmte Krankheiten immun: kommt unsere körpereigene Abwehr einmal damit in Kontakt, lernt sie den Gegner kennen, studiert ihn und wappnet sich für den nächsten Angriff.


Alice wird zu ihrem eigenen Glück irgendwann gezwungen, sich dem Verursacher der Verletzung zu stellen. Als sie das Mutall-Schwert stehlen will, ist sie gezwungen eine Nacht in der Hütte des Bandersnatch zu verbringen. Gemeinsam mit ihm. Auf 4 Quadratmetern eingepfercht mit ihrer Angst. Denn den Schlüssel zum Schwert trägt das Monster um den Hals…


Grauenhaft!


Aber psychologisch hoch relevant. Denn wie so oft liegt die Lösung nicht in der Flucht vor dem Schmerz, sondern in der bewussten Begegnung mit ihm.



Wie du schmerzhaften Erlebnisse verarbeiten kannst


Um schmerzhafte Erlebnisse zu verarbeiten, brauchen wir vor allem drei Dinge:


1. Annahme: Ein sicherer, liebevoller Ort


Ohne einen sicheren Ort kann sich niemand den inneren Dämonen stellen. Fester Boden unter den Füßen, ein klarer, gangbarer Weg und Begleitung sind der sichere Rahmen für diese Heldenreise. Das Fundament bildet bedingungsloser Annahme: ganz egal was dir jetzt begegnet, du bist angenommen, akzeptiert und geliebt.


So ein sicherer Ort kann zum Beispiel eine gute Freundschaft, aber auch eine Begleitung durch einen Therapeuten oder Coach sein.


2. Konfrontation: Anerkennen statt wegdrücken


Was passiert ist, ist passiert. Und die Folgen dessen darfst du ernst nehmen. Viele Menschen minimieren ihre Verletzung, weil sie glauben, „nicht so empfindlich sein zu dürfen“. Doch verdrängter Schmerz heilt nicht. Er verbreitet den üblen Gestank der Verwesung. Es ist Zeit hinzuschauen, zu desinfizieren, zu nähen.


Hier ist ein geübter Blick von außen oft hilfreich, da dieser Zusammenhänge entdecken kann, die einem selbst verborgen bleiben.


3. Integration: Verstehen UND fühlen


Gefühle brauchen Annahme und Bedeutung. Was da ist, darf auch da sein. Selbstmitgefühl ist hier oft der Schlüssel. Nicht: „Warum bin ich noch nicht darüber hinweg?“ Sondern: „Was hat das in mir gemacht? Und wie kann ich den Schmerz umarmen und ihn in die Heilung bringen?“


Dabei Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Akt von Selbstführung. Wer sich begleiten lässt, gibt seinem System die Chance, aus Alarmbereitschaft in Regulation zu kommen.


Perspektivwechsel:

Vom Schmerz zur inneren Stärke


Morgens erwachen Alice und der Bandersnatch umstellt von den Soldaten der Roten Königin. Jetzt scheint alles verloren. Gefangen zwischen Monster und Macht gibt es scheinbar kein Entrinnen.


Was jetzt passiert grenzt an Magie: die beiden erkennen in der Roten Königin ihre wahre, gemeinsame Feindin und verbünden sich. Alice söhnt sich aus mit ihrem Schmerz. Symbolisch schleckt der Bandersnatch die Wunde ab – und diese heilt sofort ab.


Perspektivwechsel: Blick von außen auf die Hütte. Die Soldaten rücken näher. Alice sitzt in der Falle. Doch plötzlich zerberstet die Tür und Alice prescht hervor – AUF dem Bandersnatch. Was für eine starke Szene!


Sie entkommt auf dem Rücken ihres ehemaligen Verfolgers und Schmerzverursachers in Richtung weiße Königin. Doch nicht nur das: am Ende ist der Bandersnatch das Tier, auf dessen Rücken sie in den Kampf gegen den Jabberwocky zieht. Nur dadurch, dass Alice sich mit ihrer Vergangenheit, ihren Verletzungen ausgesöhnt hat ist sie in der Lage sich ihrem Endgegner zu stellen. Und diesen zu besiegen.


Psychologisch gesehen steckt in diesem Bild ein tiefer Kern: Wenn wir aufhören, gegen einen Teil unserer Geschichte anzukämpfen, ihn wegzudrücken, verliert er seine zerstörerische Macht.


Und mehr noch: Was uns einst verfolgt hat, kann uns später tragen. Was uns verletzt hat, kann uns weiser machen. Was uns gebrochen hat, kann uns Tiefe geben.

Mit dieser Alice, verletzt durch und reitend auf dem Bandersnatch, kann ich mich auch persönlich sehr gut identifizieren. Denn ich kenne das nicht nur aus meiner Coaching Praxis, sondern auch aus persönlicher Erfahrung.


Das Leben ist nicht immer fair. Manchmal ist es sogar brutal.

Ich habe selbst auf verschiedene Weise erlebt, wie es ist, das Leben aus den Bruchstücken dessen, was einmal war wieder ganz neu aufzubauen. Ich kenne den Schmerz, die Verzweiflung, das „Warum?“. Aber auch die Heilung, das Aussöhnen mit dem, was ist und die Schätze, die aus der Asche geborgen werden.


Neben meiner fachlichen Expertise ist mein eigener Lebensweg das, was mich heute am meisten dazu befähigt andere Menschen durch Krisen zu begleiten. Mit der tiefen Überzeugung einer, die selbst dort war: Du schaffst das!


Kein Opfer der Erfahrung,

sondern Heldin der eigenen Geschichte


Der Bandersnatch bleibt nicht das Monster, das Alice zerstört. Er wird zum Verbündeten. Und schließlich trägt er Alice als Reittier in ihre größte Schlacht.


Was für ein Bild.


Nicht Flucht vor dem Schmerz, sondern Bewegung mit ihm. Nicht Überwindung durch Verdrängung, sondern Führung durch Integration. Nicht „Ich lasse das hinter mir“, sondern: „Ich nehme das mit, aber es bestimmt mich nicht mehr.“

Genau hier entsteht neue Stärke. Nicht aus dem Leugnen von Schmerz, sondern aus seiner Verwandlung.


Wer schmerzhafte Erlebnisse verarbeitet, gewinnt nicht nur Ruhe zurück. Er gewinnt Orientierung. Tiefe. Grenzen. Klarheit. Und oft auch eine neue Form von Führungsstärke, weil er nicht mehr nur aus Konzepten, sondern auch aus Erfahrung handelt.



Wenn du das Gefühl kennst,

dass etwas in dir noch offen ist


Dann ist das kein Makel. Es ist ein Hinweis.


Vielleicht ist da eine alte Wunde, die nicht mehr überdeckt, sondern endlich angeschaut werden will. Vielleicht ist da eine Erfahrung, die du zu lange klein gehalten hast. Vielleicht ist da Schmerz, der nicht mehr weggedrückt, sondern verstanden werden möchte.


Der erste Schritt wäre hier: Nichtmehr verstecken. Verband runter. Anschauen. Licht und Luft dran lassen.

Vielleicht machst du dazu einen Spaziergang und wirst ehrlich vor dir selbst. Oder, noch besser, du triffst dich mit einer Person, der du vertraust und erzählst.


Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, das nicht länger allein zu tragen und professionell versorgen zu lassen. Ich bin sicher du brauchst keinen weiteren Ratschlag - aber vielleicht einen wachen, geschulten Blick von außen.



Mein Angebot für dich:

Annahme, Konfrontation, Integration


Wenn du merkst, dass dich belastende Erfahrungen, alte Verletzungen oder wiederkehrende Muster noch immer ausbremsen, begleite ich dich gern dabei, das klar zu sortieren, einzuordnen und neue Stärke daraus zu gewinnen. Wenn du magst, melde dich gern für ein kostenloses erstes Gespräch.

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